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THEMA: Wie die Faust aufs Auge

Wie die Faust aufs Auge 6 Jahre 6 Monate her #30334

  • corneliusrufus
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Hallo, hier ist Cornelius und es wird Zeit, dass er sich vorstellt. Was ich mache, steht in meinen Profil, braucht nicht hier wiederholt zu werden. Ich habe die letzten Jahre gespart, mich durch lesen viel informiert und mir erstmal die notwendigen Zubehörteile gekauft. Ladegeräte, regelbare Feststromquelle als Ladegerätzusatz, Funke (Robbe F-14 navy und FX-30), "etwas" Elektronik. Das größte Manko sind mangelnde eigene Werkstatt und ein unterdurchschnittliches manuelles Geschick. Und deshalb ist Modellbau eine andere Herausforderung als für andere.

Mein Heimathafen ist Lübeck, die 50 winken und ich arbeite wie ehrenamtlich im Verkehrsportal ( www.verkehrsportal.de ), um meist junge Menschen nach Alkohol oder Drogen wieder zur Fahrerlaubnis zu bringen. Ein weiteres Hobby ist da schon äh wagemutig, lach.


Ich dachte mir, beginne die Vorstellung mit einem Bericht:


Gestern in Knittlingen oder wie Modell-U-Boote Junge kriegen

Es begann damit, dass ich dem Alex sein Robbe U31 abgekauft hatte. Nun musste es in neue Heimatgewässer. Obgleich es vorbildlich verpackt war, die Bilder lagen vor, rieten mir Kurierunternehmen von einer Transportdienstleistung ab.

Also selbst abholen und im Gegenzug etwas Marzipan aus der Heimatstadt „zum Tausch“ einpacken.

Zunächst war ich auf dem Weg nach Stuttgart, wollte in der Rhön, von der Ostsee kommend, nächtigen. So der Plan. Bei Fulda nach der Brotzeit war ich noch recht fit, so dass ich beschloss, mich weiter dem Ziel zu nähern. Nun wollte ich nicht Unmengen für ein Hotel ausgeben, sondern hatte mir einige Landgasthäuser und Pensionen zuvor ausgeguckt. Okay, was in der Rhön geht, geht auch anderswo.

Die Wahl fiel auf Knittlingen. Selbstverständlich nur aus kulturellen Gründen. Das ist eine nette Umschreibung. Modellbauer haben eine eigene Kultur. Nachdem ich wegen der lieben Freundin schon dreimal das Hobby zugunsten eines Urlaubs hinten an gestellt hatte, der Wunsch nach einem eigenen gutem Boot immer mehr drängte und ich mich schon zwei Jahre immer wieder nach einem VIIc bzw. einem U232A umgesehen hatte, passte es jetzt. Das Leben bietet Gelegenheiten, sie müssen nur erkannt werden.

Die kulturellen Gründe sind natürlich die Alexander Engel KG mit einem sehr sympathischen Herrn Engel. Das Navi führte mich nun nicht mehr wie geplant via Würzburg nach Stuttgart und dann eben weiter, sondern über Frankfurt, Bruchsaal direkt nach Knittlingen. Das nächste offene WLAN-Netz war meins, Dank an die Telekom. Damit schnell nach Pensionen geschaut.

Eine freundliche, saubere und sehr nette fand ich in der Pension Wilhelmshöhe mit der Familie Braun. Obgleich ich unangemeldet kam, konnte ich über beide dort aushängende Telefonnummern meine Worte benachrichtigen und bekam umgehend ein Einzelzimmer. Der Preis samt Frühstück passte ins Budget.

Als ich so durch den Ort fuhr, fiel mir trotz der Müdigkeit ein Schild auf: Faust-Museum. Gemeint ist der Chiromant, Nekromant und Magier, Scharlatan und Weissager Faust, den Goethe in mindestens drei Werken verewigte und über den es eine rege künstlerische Auseinandersetzung gibt.

Damit war am nächsten Morgen der Besuch im örtlichen Museum mit mir vereinbart. Nach reichhaltigem Frühstück, einem Halt in der Metzgerei Dobler für eine Schwarzwurst (geräucherte Blutwurst) als regionaler Delikatesse, stand ich vor dem Museum und wartete. Das Schild verwies auf ein Archiv und sagte, „bin gleich wieder da“. Zeit hatte ich ja und mehr als eine Viertelstunden musste ich auch nicht zuwarten. Das Museum ist übersichtlich, in einer guten halben Stunde war ich als Laie durch, hatte drei Etagen gesehen. Wer am Stoff interessiert ist, für den ist es eine Bereicherung. Und andere haben schon viel unsinniger „Einsfuffzich“ ausgegeben.

Das war die beste Zeit für die Engel KG meinte ich. Deren Öffnungszeiten waren versteckt auf deren Webseite in der FAQ untergebracht. Eine junge (und hübsche) Frau öffnete, sagte, es wäre kein Ladengeschäft und man möge sich besser anmelden. Herr Engel kam trotzdem. Da ich Zeit hatte, er ein Gummibad angesetzt hatte, konnten wir schwätzen.

Immerhin habe ich jetzt verstanden, wie ein Boot mit Engeltauchtanksystem ausgetrimmt wird. Nämlich der Kolben wird auf die 85%-„Marke“ automatisch gefüllt, dann muss das Boot durch Gewichtzugabe bzw. –entnahme so ausgetrimmt werden, dass der Restauftrieb ungefähr 5 Gramm entspricht. Ich war bis dahin der Annahme, die Trimmung würde über einen zu programmierenden Memoryschalter in der Balasttanksteuerung erfolgen (also variable Füllung ± der 85%) durch mechanische Einstellungen am Kolbentank selbst.

Dass das bei der Robbe U31 anders ist, sie einen weit größeren Restauftrieb hat, wusste ch schon. Herr Engel meinte, um sie auf den Engelstandard zu bringen, müsste ein zweiter Tauchtank vom gleichen Volumen wie der bestehende eingebaut werden. Das wäre eine Sonderanfertigung. Mittels einer TAE2-Balasttanksteuerung könnten dann der bestehende Tank als auch ein weiterer angesteuert werden. Das wäre jedenfalls deutlich günstiger, als zwei Standardtauchtanks samt Steuerung einzubauen.

Aha, dachte ich, es ist ein weites Feld. Schön, wenn ein Hobby mich noch länger beschäftigen kann. Wir besprachen ein Problem mit seiner U31, welches jetzt in der jetzt ausgelieferten Modellserie zwei der Elektronik praktisch behoben ist. Bei rund 30% der Kunden kam es zu unerklärlichen Störungen, die mittels eines Ferritkerns in den Stromleitungen behoben wurde.

Meine Schlussfolgerung war, dann sind möglicherweise einige Bauteile im Grenzbereich betrieben. Das kommt vor, wenn ein Hersteller stille Updates fährt, so dass nun die Exemplarstreuungen sich (nun) auswirken, wenn Exemplarstreuungen von vornherein vorliegen. Man kann es auch anders ausdrücken, da Ferrite den Stromfluss – anschaulich betrachtet – vergleichmäßigen. Die zeitliche Wechselbeanspruchung bei Schaltänderungen wird gedehnt. D.h. unter Umständen wird ein (lokales) Energieflussproblem im Schaltbaustein beseitigt. Oder als dritte Möglichkeit eine Rückkopplung des Strommagnetfeldes, genauer seiner Änderungen, auf die Schaltelektronik. Hier gab ich die Empfehlung, ggf. einmal einen Eisenblechrahmen als seitliches Band um die Schmalseite der Platine, also nicht die Bestückungsseiten, zu setzen, da die stromführenden Kabel seitlich an der Platine vorbeilaufen.

Wir besprachen weiterhin Korrosion bei den Motoren. Herr Engel überzieht seine eigenen Modellmotoren ggf. mit Klarlack, sagte zugleich, der bloße Anlauf oder die eine oder andere Stelle störe den Funktionsbetrieb des Motors nicht. Meine Ansicht war und ist, nehmt Rostumwandler. Da wird Rost, ein Eisenoxid, in ein stabiles Eisenphosphat umgewandelt. Das wirkt als Schutzanstrich auch präventiv. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung an meinen Autos über diverse Jahre gesammelt.

Wahrscheinlich gibt es an jedem (rostenden) Eisenmetall mindestens oberflächig eine feine Rostschicht. Die wird nun chemisch umgewandelt, das Metall wird sichtbar schwarz. Damit ist zugleich die Oberfläche luftdicht abgeschlossen, d. h. es kann nicht mehr weiter rosten.

Weiter kamen wir zum Blei am Beispiel der U31. Durch das Einschieben des Technikgerüstes wird die hauchdünne Lackoberfläche der Bleigewichte abgeschliffen. Das Blei oxidiert oberflächig. Herr Engel meint, das ist ohne Problem, denn dadurch ist das restliche Bleib versiegelt. Manche überziehen es nach dem Einbau hauchfein mit Epoxidharz. Man könne auch die scharfen Kanten am Technikgestell mit einer Feile entschärfen. Hervorgerufen würden die Kanten durch Abstechradien und nicht zu vermeidende Probleme in der Kunststofffertigung durch Materialschrumpfung, die vorher berücksichtigt werden muss.

Wobei wir beim Thema Resin, einem warmen Sommertag und der Lagerung der Modelle im abgeschlossen Auto waren. Lieber nicht. Das Wort formschön sagt alles: Die Teile sind dann weder schon noch in Form.

Als ich so dass handliche U31 bei Herrn Engel sah, es durch meine Hand gleitete, dachte ich, es ist ein wunderschönes Urlaubsboot. In mir arbeitete es. Konto, meine unterdurchschnittliche manuelle Geschicklichkeit, die ich mit der Note ausreichend oder vier bewerte. Herr Engel zeigte mir die kritischen Stellen. Bot an, ihn stets beim Bau zu fragen. Informativ war von ihm, bitte bevor ein Tipp aus irgendeinem Forum realisiert wird.

Mir ist immer wichtig, zu verstehen, was ich tue, warum etwas so und nicht anders ist. Schnell ist etwas verbastelt. Dennoch, es gibt ganz sicher gute Tipps, gerade auch hier. Man muss nur nachvollziehen, welchen Effekt sie haben. Kritisch bin ich nach vielem Lesen, wenn jemand schreibt, weil es nicht passte, musste ich. Der Hersteller hat sich bestimmt etwas gedacht. Europäische Fertiger und große Firmen haben ihre Qualität im Griff, jedenfalls gehe ich davon aus. Anders beurteile ich es sein, wenn jemand eine Modifikation als Verbesserung einbringt, bspw. Wellendichtringe statt Vaselinfettpropf.

Jedenfalls, ich sah die Chance, die Herr Engel aufgrund seines diesjährigen Jubiläums und den damit verbundenen Preisen anbietet. Der Bausatz U31 füllte nun den Kofferraum. Er wird dann unter dem Tannenbaum liegen als Geschenk von mir an mich. Und wenigen anderen.

Weiter ging es nach Stuttgart zum Alex. Ein sehr netter Kontakt, der schon vorab alle Fragen geduldig, freundlich und kompetent beantwortet hat. Ein Modellbaukamerad, so wie man ihn sich wünscht! Das Modell hatte er bereits ein eine offene Transportschale/-kiste gepackt. Den Turm mit den AFG hatte er extra verpackt, seine Anlage und und und. Sogar an den Rest Sprühfarbe hatte er gedacht.

Als die seitlichen Tragegriffe nicht ganz für die Durchlademöglichkeit meines Kombis passten, holte er Werkzeug, so dass wir sie wegdrehen konnten.

Meine größte Angst war der Transport. Aber den habe ich ja auch an die See und den See. Ich denke gerade darüber nach, die Transportschale bzw. den vorhandenen Transportrahmen zu einer vollständigen Transportkiste umzubauen. Und dabei ggf. gleich (feststellbare) Rollen/Räder anzubauen. Das soll ja einige erleichtern, wie ich gehört habe.

Zufrieden reiste ich wieder gen Heimat, wo ich um kurz nach fünf morgens hundemüde aber glücklich ankam.

Liebe Greet-Ings Cornelius


PS: Ich habe einige Bilder, bspw. die aus dem Modellvorführraum bei der Alexander Engel KG. Auf Wunsch stelle ich die ein.

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